E-Bike-Test 2017: So testet ElektroBIKE

E-Bike-Test: der Labortest

E-Bike Test 2015 ElektroBIKE
Foto: Björn Gerteis

ElektroBIKE hat in der aktuellen Ausgabe 2017 insgesamt 64 E-Bikes getestet. Wie kommen die Ergebnisse bei einem der größten E-Bike-Tests Europas zustande? Hier erfahren Sie Hintergründe zum Labor- und Praxistest.

Das geht zu weit! Dieser Satz kommt keinem E-Biker so schnell über die Lippen. Um herauszufinden, wie weit die aktuellen Testmodelle den Fahrer tragen können, hat ElektroBIKE für diesen Test der E-Bikes zusammen mit den Prüfstand-Profis von eChecker zusammengearbeitet. Der Vorteil an einem Prüfstandtest: Er lässt Vergleiche der Werte zu, was sonst bei dem diffizilen Thema Reichweite nur schwer möglich ist. Der Vorteil an der Laborsituation: gleiche Bedingungen für alle!

Für den Test wurden 64 E-Bikes auf dem eChecker-Prüfstand verkabelt, vermessen und verglichen. Jedes einzelne Rad musste drei Prüfszenarien absolvieren: Stadt, Tour und Berg. Im Stadtprofil waren die E-Bikes mit mehreren Start- und Stopp-Phasen konfrontiert. Im Tourabschnitt mussten sich die Räder neben ebenen Strecken auch leichten Steigungen stellen. Im Prüfprofil Berg, der Name verrät es bereits, stand für die Testkandidaten eine Kletterpartie mit verschiedenen Steigungsprozenten an.

E-Bike-Test Profil Stadt

Foto: eChecker

Die Prüfstrecke Stadt simuliert eine Fahrt im urbanen Umfeld, die sich durch eine vorwiegend flache Fahrstrecke auszeichnet. Dazu kommen viele Start- und Stopp-Phasen, die auf dem E-Bike, ähnlich wie beim Auto, viel Energie kosten. Zum Abschluss der Prüfstrecke Stadt haben eChecker und ElektroBIKE noch eine gemäßigte Steigung von 2,5 Prozent eingebaut.

E-Bike-Testprofil Tour

Foto: eChecker

Das Testprofil für die Tourstrecke soll eine klassische Tourensituation darstellen. Durch eine Variation im Rollwiderstand wurden auf der Strecke auch unterschiedliche Untergrundarten simuliert: Asphalt, Feldweg und Kopfsteinpflaster. Im Vergleich zum Prüfstand-Test Stadt zeichnet sich die Teststrecke Tour durch längere Steigungsabschnitte aus, jeweils im Bereich von 5 Prozent.

Im Vergleich zu den Testprofilen Stadt und Berg werden auf dieser Strecke die höchsten Reichweiten erreicht.

E-Bike-Testprofil Berg

Foto: eChecker

Dieses Testprofil kostet Körner! Es geht mit einer Steigung von 7,5 Prozent bergauf - eine kräftefressende Aufgabe für die E-Bikes im Test. Daher ist die Bergreichweite auch am geringsten im Vergeleich zu den beiden anderen Testprofilen.

Was muss man noch wissen?

Alle ermittelten Daten können beim eChecker-Prüfstand zum einen in Echtzeit am Monitor verfolgt und danach in umfangreichen Testprotokollen ausgewertet werden. Über eine zwischen Akku und E-Bike geschaltete Messbox fließen non-stop Messwerte ins System. Am Ende stehen unter anderem Parameter wie der Energieverbrauch des Rades, aber auch der Energieverbrauch des simulierten Radfahrers. Diese beiden Werte, jeweils in Wattstunden angegeben, stehen im Mittelpunkt der Auswertung. Unterstützt ein System besonders hoch – die Tests wurden jeweils in höchster Unterstützungsstufe gefahren –, muss der Fahrer wenig eigene Kraft dazugeben. Dies schlägt sich in der Regel in hohem Verbrauch an Akku-Kapazität und damit einer geringeren Reichweite nieder. Dafür erhält der Fahrer starke Unterstützung. Legt ein Hersteller Wert auf höhere Reichweiten, kann er das System so abstimmen, dass der Fahrer weniger kraftvoll durch das Antriebssystem unterstützt wird – dafür steigen aber die Reichweitenwerte.

Um dieses Zusammenspiel besser zu verstehen, führt ElektroBIKE den EBUK (ElektroBIKE-Unterstützungs-Koeffizienten) ein. Der Quotient aus der Unterstützungs-Leistung des E-Bikes und der des Fahrers gibt einen Hinweis darauf, wie die Reichweiten zu interpretieren sind. Je kleiner der Koeffizient ausfällt, desto weniger Unterstützung kam in der Messung durch das E-Bike-System. Ein Beispiel aus dem E-Bike-Test 2015 erklärt den EBUK sehr gut: Terns E-Faltrad eLink ging auf der Bergstrecke fast die Puste aus. Der EBUK liegt bei sehr niedrigen 0,55. Das heißt, die theoretische Reichweite ist zwar hoch, aber nur, weil der Fahrer extrem kräftig in die Pedale treten musste. Diese Feinheiten lassen sich nur unter Laborbedingungen exakt herausarbeiten. Mit dem eChecker-Prüfstand können die verschiedenen Variablen, die auf das Gesamtresultat einwirken, genau angesteuert und kontrolliert werden.

Am Ende entsteht ein Bild, das nicht nur einen Reichweitenwert liefert, sondern die Eigenschaften des jeweiligen E-Bike-Systems sehr gut beschreibt. In die finale Bewertung der Reichweiten-Ergebnisse fließen daher nicht nur die nackten Kilometerwerte ein, sondern auch der EBUK. Schließlich spielt die Unterstützung beim E-Bike eine nicht unwesentliche Rolle.